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Krautrock / Deutschrock
Krautrock, ein seltsames Wort, das Weltkarriere in
der Musikgeschichte machte...
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Der Begriff Krautrock besitzt weltweit
seit über dreißig Jahren eine nahezu mythische
Dimension. Erstmalig erschien er auf Amon Düüls
LP "Psychedelic Underground" und dort war
es der spezifische Titel "Mama Düül und
ihre Sauerkrautband spielt auf". Danach griff sich
der britische Radiomoderator John Peel „Krautrock“
als wundervoll-verquere Wortschöpfung heraus und
manifestierte den neuen Musikstil.
Bekannt war Krauts allerdings schon
im zweiten Weltkrieg, und damit meinten die Engländer
die deutschen Soldaten. Blicken wir aber in die Musikgeschichte
zurück, stellen wir fest, dass Krautrock schon
Ende der 60-er, Anfang der 70-er, Jahre unter diesem
Namen zusehends eine feste Größe wurde und
huldvoll in der Szene gefeiert war. Wahr aber ist auch,
dass die Musiklegende Amon Düül einen erheblichen
Anteil daran hatte.
Eine erste konkrete Namensbezeichnung
für Krautrock wird jedoch erst von der Hamburger
Band Faust belegt. Diese brachten im Jahre 1973 eine
LP heraus, deren Opening Track "Krautrock"
heißt. Das Label der Band, die Produktionsfirma
Virgin, übernahm daraufhin den Begriff als genretypische
Bezeichnung für alle diejenigen Klangcluster, die
eine psychedelisch angehauchte und meist trancige Wirkung
auf die Zuhörer ausübten. Die Stunde des deutschen
Art-Rock war geboren. Psychedelisch war das Wort der
Stunde. Man erinnert sich: Damals liefen alle Schüler
und Studenten in schmuddelig-grünen Parkas herum,
die Haare lang, Stirnband, der Gang immer irgendwie
alles andere als aufrecht mit leptosom gekrümmten
Rücken. Jeder Heran- wachsende las Herman Hesse
oder etwas härteres, Timothy Leary. Musik war dazu
da, das Bewusstsein zu erweitern und die mentalen Kräfte
voll auszuschöpfen.
Einer der Ende der siebziger Jahre
bekanntesten Orgientempel für solche Art Bewusst-
seinserweiterung war die besetzte Schokoladenfabrik
Stollwerck in Köln, später in legalisierter
Form das angesagteste Kulturzentrum Deutschlands, wo
die Musiker der damals bekanntesten Band CAN, Damo Suzuki,
Jaki Liebezeit, Irmin Schmidt, Michael Karoli oder gelegentlich
Musiker wie Dominik von Sänger, ihre Proberäume
hatten. Seit dieser Zeit ist das entscheidende Merkmal
des Krautrock die Neigung zu komplexen und sehr dichten
Klangstrukturen und eine Hingabe zur synthetischen Clustern,
welche oft über verfremdete Tonband- oder Röhrenradio-Tracks
erzeugt wurden. In anderen Ländern werden diese
komplexen Soundstrukturen Art-Rock genannt und von Musiklegenden
wie David Bowie, Yes oder Pink Floyd inszeniert. Generell
kennt man seitdem den Begriff Krautrock aber als Bezeichnung
für den Art-Rock aus deutscher Produktion.
Die dazugehörigen Bands aus der
Zeit zählen wir auf: es waren Ash Ra Tempel, CAN,
Embryo, Guru Guru, dann Tangerine Dream, Cluster, Neu!,
die Gruppe Hölderlin, Kraan und Popol Vuh, Jane
und Kraftwerk aus Düsseldorf. Alles große
Namen, aber die meisten sind fast vergessen. Greifen
wir die bekannteste Band heraus, CAN. Unvergessen sind
die Auftritte mit dem Sänger Damo Suzuki, der seine
Stimme hypnotisch bis in die höchsten Stimmlagen
zu balancieren pflegte. Oder Holger Czukai, der seltsamer
Professor in schwarzweißen Schuhen, mit Schnurrbart,
immer an irgendwelchen Reglern drehend, schräge
Geräusche rauf und runter. Im Hintergrund Jaki
Liebezeit, bekannt für seine äußerst
gleichmäßigen und feinnervig-gedehnten Drum
Beats: the godfather of good druming.
Schon als der Krautrock-Boom Ende der
70-er Jahre endete, blieben sie bis heute die bestimmende
Größe im Genre. Seitdem berufen sich viele
Techno-Musiker in der zweiten Hälfte der 90er bis
heute auf die Krautrocker um CAN und Kraftwerk und man
wundert sich, welchen großen Einfluss diese Musik
auch in außereuropäischen Ländern, sogar
bis nach Japan, hinterlassen hat. Genährt wird
die Wiederentdeckung von diversen Wieder- oder Neuveröffentlichungen
auf CD: Auch die Musiker um CAN machen weiter, allerdings
ohne den im Jahr 2001 verstorbenen Michael Karoli. Man
erinnert sich an das großartige Konzert im Kölner
Palladium im Jahre 2003, wo die einzelnen Mitglieder
von CAN zwar nicht als Gesamtes auftraten – dies
ist definitiv vorbei – aber alle jeweils mit eigenen
experimentellen, neuen Projekten.
Um die Musikhistorie noch zu Ende zu
erzählen, erlauben wir uns einen weiteren Blick
auf die damals bekannten Musikformationen, nämlich
die Neue Deutsche Welle (NDW). Parallel zur intellektuellen
Musik der Krautrocker etablierte sich schon ab 1977
bis in die 80-er eine vornehmlich in deutscher Sprache
gesungene Musikrichtung, die sich eher als Untergrundmusik
verstand. Diese Musik entstand aus den Anfängen
einer mit Performance-Elementen der Bildenden Kunst
versetzten Formensprache, die stark geprägt war
von einer materialbetonten, rauen Rhythmik der Bassgitarren.
Bestimmend für diese Stilrichtung war die Verwendung
der deutschen Sprache. Alles Englische oder Angloamerikanische,
auch in der Soundstruktur, war verpönt, wie übrigens
bei CAN bis heute. Zu den Vertretern dieser Phase zählen
Mittagspause, Abwärts, Der Plan, DAF oder The Wirtschaftswunder.
Eine umfassende Übersicht zu vorhandenen
Bands findet man unter folgenden Links:
Wer will kann den jetzt fast 73 Jahre
alten Jaki Liebezeit jeden ersten Samstag im Monat erleben,
wo er im Rahmen des Instant Music Clubs mit seinen Trommlern
„DRUMS OF CHAOS“ im Kölner Kunsthaus
Rhenania auftritt.
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